Emotionale Verletzungen auflösen ist eine unserer Hauptaufgaben im Coaching, der Mediation, dem Unternehmensnachfolge Coaching und wir lehren es in unserer Coaching Mediationsausbildung zum SystemEmpowerer. Jedesmal wenn die Systemgesetze verletzt werden, entstehen negative emotionale Gefühle, die unbedingt zügig aufgearbeitet werden müssen. Denn wenn sie nicht aufgelöst werden, verfestigen sie sich, werden zugedeckelt und zeigen sich einerseits als Signale und Symptome und andererseits erzeugen diese tieferliegende Gefühle neu Verletzungen bei anderen und bei sich selbst durch ein nicht wertschätzendes Handeln.

Im folgenden wird anhand eines Beispiels gezeigt, wie die emotionalen Verletzungen mit Hilfe des PowerCodes aufgelöst werden. In diesem Beispiel geht es um einen Vater und Gründer einer Firma, seiner Frau und seinen Sohn, der als Nachfolger die Firma übernehmen soll/will. Die ersten Systemgesetzverletzungen bei den Vorfahren sind in diesem Beispiel im Krieg entstanden.

Der Verursacher der allerersten Systemgesetzverletzung ist der Vater, der dem Sohn sagt, dass das Unternehmen wichtiger sein muss als die Familie. Nur so könne er das Unternehmen übernehmen.

Das hat den Sohn traurig gemacht, er hat sich schlecht gefühlt und gleichzeitig ärgerlich und wütend (Basisgefühle).

Sind der Vater und der Sohn zum damaligen Zeitpunkt ausgeglichen kraftvoll genug, so kann zum sprachlich richtigen Auflösen gegangen werden.

Oft führen Kriegserlebnisse, die Systemgesetzverletzungen sind, zu bleibenden Ängsten oder unterdrückte Ängste und Wut, weshalb der Vater nicht mehr ausgeglichen stark genug ist. Dieses zeigt sich darin, dass er zu hart ist, seine Gefühle unterdrückt. Im dritten Beispiel zeigen wir das Vorgehen, wie diese Systemgesetzverletzungen aufgelöst werden, damit der Vater wieder ausgeglichen kraftvoll genug wird.

Das sprachlich richtige Vorgehen besteht darin, dass der Sohn aus dem Zustand, dass noch alles gut ist (also gedanklich an den Zeitpunkt denkt, wo noch alles gut ist / vor der ersten Verletzung) seinem Vater sagt, was der Vater getan hat (Unternehmen wichtiger als Familie) und dann sein verletztes Basisgefühl beschreibt / zeigt (traurig und schlecht gefühlt).

Sind die Voraussetzungen bis hierher gegeben, so gibt es immer wieder die gleiche Reaktion vom Verursacher, nämlich er nicht wusste, dass seine Aussage solche Gefühle ausgelöst hat, dass er dass nicht wollte, nicht seine Absicht war und es ihm leid tut. Hier überprüfen wir, ob dass beim Sohn ankommt und sich sein Leid (traurig, schlechtes Gefühl) auflöst.

Wenn ja, so übernimmt der Vater seinen Anteil der Verantwortung für den Ärger / die Wut, die beim Sohn entstanden ist.

Damit die erste Systemgesetzverletzung komplett aufgelöst wird, ist es wichtig, dass die verursachende Person, hier der Vater noch sagt, wie er sich verhalten hätte, damit es nicht zu den verletzten Basisgefühlen kommt. Kann er sagen, dass das gemeinsame Wohlergehen am wichtigsten ist, so kann sich die alte Brille des Sohnes in eine neue Brille verwandeln.

Kann der Vater kein anderes verhalten benennen, so liegt es oft daran, dass bei ihm selbst Verletzungen vorliegen, die ihn so geprägt haben. Beispielsweise Ängste aus dem Krieg, die ihn bestimmen als Basisgefühl, selbst wenn er weiß, dass das gemeinsame Wohlergehen besser wäre. Dann ist das heir die Stelle, wo erst die Verletzungen des Vaters aufgelöst werden müssen.

Konnte die erste Systemgesetzverletzung komplett aufgelöst werden, indem der Vater das Leid beim Sohn sehen konnte, es ihm leid tat und er seinen Anteil Wut vom Sohn nehmen konnte und der Vater ein neues Verhalten beschreiben konnte und der Sohn das ihm glaubt, so wird von dort alle weiteren gegenseitigen Systemgesetzverletzungen aufgelöst.

Normalerweise hätte es keine Rückverletzung vom Sohn zum Vater gegeben, wenn er nicht vorher verletzt wurde. Diese ist nun aufgelöst, so dass beide sich vorstellen können, dass es keine Rückverletzung gegeben hätte. Jetzt sieht der Sohn das Leid beim Vater, übernimmt seinen Anteil Verantwortung, d.h. Wut vom Vater, wovon der Vater seinen Anteil für die erste Verletzung übernimmt. So können alle Verletzungen bis zur Gegenwart aufgelöst werden, so dass die Unternehmensnachfolge erfolgreich ist und die Familie eine Familie bleibt.

Der Nachfolger löst allein innerlich / gedanklich Systemgesetzverletzungen auf

Wenn der Senior/Verursacher nicht mitmacht oder verstorben ist,
so lassen sich trotzdem die Systemgesetzverletzungen auflösen,
wenn die fünf Voraussetzungen gegeben sind. 

Der Sohn macht innerlich / gedanklich genau das, was oben beschrieben ist. Die Erfahrung zeigt, dass diese Auflösung nur dann erfolgreich ist, wenn die fünf Voraussetzungen vorliegen. Es lässt sich nicht gedanklich mogeln.

Der Nachfolger muss darauf achten, ob seine Gedanken bzw. die Auflösung der Verletzungen stimmig ist. Wenn es unstimmig ist, so sind nicht alle fünf Voraussetzungen gegeben. 

Das Kriegskind löst das Leiden des Krieges bei sich innerlich auf

Der Senior / Kriegskind löst allein innerlich / gedanklich Systemgesetzverletzungen auf

Wenn der Senior (Verursacher) durch eigene Verletzungen nicht in der Lage ist, die Verletzung beim Nachfolger aufzulösen, dann
kann der Senior innerlich seine frühere Verletzung auflösen. 

Auch hier werden die fünf Voraussetzungen gebraucht. 

Der Senior / Vater hat als Kind den Krieg erlebt. Beispielsweise hat er einen Bombenangriff überlebt oder ein Freund ist umgekommen, er hatte Angst zu verhungern oder musste flüchten, so sind bei ihm Ängste, Trauer und Wut entstanden, die er nicht abgearbeitet sondern gedeckelt hat. Außerdem ist daraus die Überzeugung entstanden, dass das Unternehmen wichtiger sein muss als die Familie.

In dem Beispiel ist der Vater als Kind vor dem Krieg ausgeglichen kraftvoll. Dann werden die Kriegsverursacher bzw. Verantwortliche für den Krieg gesucht. Ob es Hitler ist oder Bismarck, der das Kaiserreich wieder eingeführt hat oder noch andere muss herausgefunden werden.

Kriegsverursacher / Kriegsverantwortliche finden, die stark genug sind

Für viele ist Hitler der Kriegsverursacher, der aber oft die Voraussetzung, dass er das Leid sehen und die Wut nehmen kann, nicht erfüllt. 

Hilfreich ist hier das Wissen, dass Hitler im Ersten Weltkrieg an der Front gekämpft hat, selbst durch ein Granatsplitter am linken Oberschenkel verletzt wurde und zum Ende des Weltkrieges einen Giftgasangriff überlebt hat, woran er kurzzeitig erblindet war. Er weiß also aus eigener Erfahrung, was Leid bedeutet. Volker Ullrich schreibt in seinem Buch: Adolf Hitler. Biographie (2013), Bd. 1: Die Jahre des Aufstiegs 1889 – 1939 im Kapitel „Das Schlüsselerlebnis des Krieges“ (1914-1918) darüber. Hitler hat über seinen ersten Fronteinsatz ein Brief geschrieben, der dort auf Seite 69ff zitiert wird. Hitler: „...Links liegen einige Gehöfte die sind jetzt noch besetzt und wir bekom(m)en furchtbares Feuer. Einer nach dem Anderen bricht von uns zusam(m)en (...) 4mal dringen wir vor und müssen wieder zurück, von meinem ganzen Haufen bleibt nur einer übrig außer mir, endlich fällt auch der. Mir reißt ein Schuß den ganzen rechten Rockärmel herunter aber wie durch ein Wunder bleibe ich gesund und heil (...) 3 Tage kämpfen wir so bis endlich am 3ten die Engländer geworfen wurden. (...) In 4 Tagen war unser Regiment von 31/2 tausend Mann auf 600 zusam(m)engeschmolzen. ...“

Konkret ist nun das Vorgehen, dass Hitler mit Hitlers Eltern hinter sich zum Ort der Leidentstehung geht und dort als jüngerer Mann (nicht Hitler 1945) das Leid direkt mit ansieht, was durch ihn als Kriegsverursacher entstanden ist. Ist es nun möglich, dass Hitler und seine Eltern das Leid sehen können, so kann er auch anteilig die Wut, die aus dem durch ihn entstandenen Leid resultiert, nehmen. 

Hitler ist nicht der alleinige Verantwortliche für den Krieg. Deshalb ist es hilfreich, noch weitere Verantwortliche dazu zuholen, damit die Wut besser genommen werden kann. Beispielsweise sind Mitstreiter wie Goebbels, Himmler, Göring oder Generäle, Offiziere, Dorf- oder Stadtbewohner usw.

Auch gilt für die Kriegsverursacher wie für jeden anderen auch, dass er aus positiver Absicht für sich gehandelt hat, aber es nicht die Absicht war (selbst wenn es in kauf genommen wurde), dass soviel Leid bei den eigenen Landleuten entsteht.

Kriegsgegner / Alliierte als Verursacher

Sind noch Alliierte beispielsweise für die Bombardierung von Hamburg oder Dresden mitverantwortlich, so führt man noch zwei weitere Schritte durch. Der erste Schritt ist oben beschrieben, d. h. der Kriegsverursacher sieht das Leid und nimmt die Wut vom Vater als Kind. 

Der zweite Schritt ist, dass der Kriegsverursacher das Leid bei den Alliierten  sieht und deren Wut nimmt.

Erst dann kann der dritte Schritt durchgeführt werden. Jetzt kann der Kriegsgegner / der Alliierte Bomberpilot das Leid beim Vater als Kind sehen und den Teil der Wut nehmen, wofür er verantwortlich ist. Auch gibt der Kriegsgegner einen Teil der Wut wieder weiter zum Kriegsverursacher.

Sind die passenden ausgeglichen kraftvollen Verursacher gefunden, die das Leid, die Angst, die Trauer sehen können und kommt es beim Vater als Kind an, so lösen sich diese Gefühle auf. Nehmen die Verursacher jeweils anteilig die Wut von ihm, so löst sich diese Wut ebenfalls auf und der Vater wird dadurch wieder stärker. Gleichzeitig kann er dadurch seine Überzeugung "Unternehmen ist wichtiger als Familie" umwandeln in "Gemeinsame Wohlergehen ist wichtig".

Der Kriegsenkel löst das Leiden des Kriegskindes innerlich auf und dadurch auch bei sich selbst

Der Sohn / Kriegsenkel löst allein innerlich / gedanklich Systemgesetzverletzungen seines Vaters und danach bei seiner Mutter und sich auf

Wenn der Senior (Verursacher) durch eigene Verletzungen nicht in der Lage ist, die Verletzung beim Nachfolger aufzulösen, dann
kann der Sohn innerlich die frühere Verletzung beim Vater auflösen. 

Auch hier werden die fünf Voraussetzungen gebraucht. 

Das Vorgehen ist wie oben beschrieben. 

Wichtig ist, dass der Sohn nicht in die Schuhe des Vaters steigt und dadurch die ganzen Gefühle des Vaters spürt. Am besten schaut der Sohn von außen auf die Kriegsverursacher und seinen Vater und sieht / spürt, wie die Verletzungen aufgelöst werden.

Kann die Verletzung beim Vater als Kind aufgelöst werden, so wird im nächsten Schritt die Verletzungen zwischen dem Vater und der Mutter (Ehepaar) aufgelöst, da normalerweise die ungelösten Verletzungen sich negativ auf das Paar ausgewirkt haben. Die Frau wird auch darunter gelitten haben, dass das Unternehmen wichtiger als die Familie ist.

Der Vater, dem es wieder gut geht und die neue Überzeugung hat, sieht nun das Leid bei seiner Frau, was durch ihn entstanden ist und übernimmt anteilig die Wut von ihr. Von dieser Wut übernehmen die Kriegsverursacher ihren Anteil. So lassen sich die Systemgesetzverletzungen zwischen dem Paar von dort bis zur Gegenwart auflösen.

Geht es dem Elternpaar nun gut und sie haben genügend Power, so folgt nun der Schritt, dass sie als Paar die Verletzungen beim Sohn auflösen.

Der Vater und die Mutter sehen das Leid beim Sohn und übernehmen als Paar anteilig Wut vom Sohn, wovon die Kriegsverursacher wieder ihren Anteil übernehmen.

Dann hätte der Vater das gemeinsame Wohlergehen vorgelebt und es wäre nicht zur ersten Verletzung zwischen Vater und Sohn gekommen. Dadurch lässt sich die erste und alle folgenden Systemgesetzverletzungen auflösen.

Der Kriegsurenkel löst das Leiden der Kriegseltern und des Kriegskindes innerlich auf und dadurch auch bei sich selbst

Sind die Eltern vom Senior / Vater durch den ersten oder zweiten Weltkrieg selbst verletzt und der Sohn bekommt von seinen Eltern nicht genügend Power, so ist er nicht stark genug und die Verletzungen als Kriegskind lassen sich nicht auflösen.

Hier beginnt man mit den Kriegseltern und löst dort mit den Kriegverursachern deren Verletzungen auf. Dann lösen die Kriegseltern die Verletzungen zum Sohn auf. Ist er nun stark genug, ist das Vorgehen wie vorher beschrieben. Die Kriegsverursacher lösen seine Verletzung auf, er dann bei seiner Frau und danach beim Sohn.

Mit diesem Vorgehen lassen sich auch Systemgesetzverletzungen auflösen, die nicht durch den Krieg entstanden sind. Typische erste Verletzungsursachen bei den Vorfahren sind:

  • Zwangsheirat
  • Ungewollt ein Kind gezeugt (nicht aufgeklärt)
  • Das Kind ist eine Tochter und sollte ein Sohn sein
  • Zu viele Kinder
  • ...

Hinweis für Paare

Paare, sei es Ehepaare oder Geschäftspaare finden sich, weil sich plus und minus anzieht. Normalerweise hat die eine Person mehr Herz und zu wenig Schwertseite und die andere Person kann dafür Schwert geben und braucht dafür die Herzseite vom anderen. 

 

Beide fühlen sich am Anfang gut damit. Im Laufe der Zeit, spätestens wenn ein Kind beim Ehepaar oder ein Mitarbeiter beim Geschäftspaar dazu kommt, treten Konflikte auf, denn das Herz wird dann an eine weitere Person verteilt, was eine Systemgesetzverletzung für die Person mit dem Mangel an Herz darstellt.

Wenn sich jetzt einer der Personen auf den Weg macht, das Leiden seiner Vorfahren aufzulösen und dadurch selbst volle Power bekommt, dann passen die Partner nicht mehr optimal zusammen. Bekommt die Person, die vorher ihre Herzseite abgedeckelt hatte, nun mehr Zugang zu seinen Gefühlen, so braucht sie das Herz vom anderen nicht mehr als Ausgleich für ihren vorherigen Mangel. Ihr Schwert will sie dann auch nicht mehr wirklich geben, sondern erwartet als Ausgleich, dass die andere Person dafür sorgt, dass sie selbst den Mangel an Schwert auflöst und genügend Power bekommt.

Deshalb ist es wichtig, dass sich die andere Person mitentwickelt.

Entwickeln sich beide weiter, dann gibt es das optimale Paar, denn beide haben genügend Power (Herz und Schwert) und brauchen es nicht mehr zu nehmen und zu geben. Nun ist das Paar frei und kann ihre gemeinsame Power weitergeben.

X