Wer intuitiv entscheiden und führen möchte, muss wissen, wie er seine Intutition, Bauchgefühl oder Unbewusstes nutzen kann. Dazu ist es hilfreich, folgende Begriffe zu klären: Ganz häufig wird von der Zweiteilung in Kopf und Bauch gesprochen. Mit dem Kopf wird das Denken und mit dem Bauch das Gefühl assoziiert. Diese Aufteilung ist zu ungenau, denn es gibt zwei sich überlagernde Gefühle, die beide im Bauch/Körper fühlbar sind. Ich nenne sie Denkgefühl und Basisgefühl.

Definition: Das Denkgefühl ist das Gefühl, was durch das Denken wie Interpretieren (vgl. Bischop, D., 2010: „Coachen und Führen mit System“, 144 ff., Die Wahrnehmungsleiter), Rationalisieren usw. entsteht. Auch kann ein Denkgefühl das Denken beeinflussen. Das Denken und die Denkgefühle sind in einem Kreislauf miteinander verbunden.

Das Basisgefühl ist das Gefühl, welches bewusst fühlbar ist, ohne dass ein Denken vorhanden ist, und aus dem Unbewussten gespeist wird. Dieses Basisgefühl enthält alle Prägungen, Traumata, schöne Erlebnisse und auch alle Systemgesetzverletzungen wie Leid, Trauer, Angst und Wut.

unbewusstes nutzen

Übung: Achtsamkeit – intuitiv entscheiden und führen

Denken Sie an ein Ereignis, als Sie etwas gekauft und es hinterher bereut haben.

Wie haben Sie sich zum Zeitpunkt des Kaufes gefühlt (Denk- und Basisgefühl) und was haben Sie damals gedacht?  („Muss ich haben.“)

Oft wird auf diese Frage geantwortet, dass die Gedanken/Überlegungen, wieso der Kauf gut war, überwogen. Es gab also viele rationale Argumente für den Kauf. Auch die Gefühle, die zu diesen Gedanken gehörten, waren stark. Gleichzeitig gab es ein unstimmiges Gefühl oder ein leichtes Zweifeln, das ebenfalls als Gedanke auftauchte. („Brauche ich das wirklich? Eigentlich nicht.“)

Fazit ist, dass das Gefühl, was durch das Denken hervorgerufen wird, von mir Denkgefühl genannt, oft stärker spürbar ist als das Basisgefühl, welches das Gefühl des Unbewussten ist. Es gibt also das Basisgefühl und das Denkgefühl.

Intuitiv entscheiden – Stimmig oder unstimmig?

Stimmen das Basis- und das Denkgefühl überein, so dass es stimmig ist, wird man den Kauf nicht bereuen. Passen beide Gefühle nicht zusammen, so besteht zunächst die Schwierigkeit, dieses zu erkennen. In der Eigenwahrnehmung hilft es, besonders auf die leisen Töne und unterschwelligen Gefühle zu achten. Oft hilft es, sich Zeit zu nehmen und vor einer Entscheidung „eine Nacht“ darüber zu schlafen, zumindest für eine kurze Zeit den Gedanken an die Entscheidung loszulassen und an etwas vollkommen anderes zu denken. Dann löst sich das stärkere Denkgefühl auf, da es ja dem Denken folgt. Wenn danach wieder neu über die Entscheidung nachgedacht und nachgefühlt wird, wird klarer, ob es stimmig ist oder nicht. Worte wie „eigentlich“, „im Prinzip“ oder eine unstimmige Kommunikation (s. Bischop, 2010, S. 129 ff) lassen ebenfalls diese Unstimmigkeit erkennen. Sie ist ein wichtiges Signal des Unbewussten und sollte unbedingt beachtet werden. Treten Signale (Symptome, primäre Gefühle oder Unstimmigkeiten) auf, so fragen Sie sich: Was soll ich tun? Sein Unbewusstes nutzen, indem solche Fragen gestellt werden, ist sehr sinnvoll.

Denn: Missachten wir die Signale des Unbewussten (beispielsweise bei der Kaufentscheidung), so müssen wir mit den Konsequenzen leben (Kauf – Reue). Wir sind frei in der Entscheidung, aber nicht frei in den Konsequenzen. Das Unbewusste kennt/bestimmt die Konsequenzen. Wir sind frei von Konsequenzen, wenn wir uns auf das Unbewusste (bzw. die Antworten/Signale) verlassen und dadurch intuitiv entscheiden und führen.

Das Basisgefühl ist verstimmt

Die gerade genannte Stimmigkeit zwischen Basis- und Denkgefühl setzt voraus, dass das Basisgefühl nicht durch starke Verletzungen wie Ängste, Trauer, Ausschluss usw. verstimmt ist. Ist das Basisgefühl verstimmt (etwas verstimmt ist es bei jedem Menschen, ansonsten wären ja alle Themen geklärt und der Mensch zu hundert Prozent ++), so führt der Abgleich mit dem Denkgefühl entweder zu einer verstimmten Stimmigkeit oder zu einer verstimmten Unstimmigkeit. Je mehr Themen in der Persönlichkeitsentwicklung aufgearbeitet sind, desto weniger verstimmt ist das Basisgefühl und umso weniger verstimmt ist die Stimmigkeit.

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