Systemische Mediation als nachhaltige Konfliktlösung

Zur Konfliktlösung unterscheidet sich die systemische Mediation von der allgemein bekannten klassischen Mediation. Der Unterschied besteht einerseits darin, dass nicht der gegenwärtige konflikthafte Zeitpunkt im Fokus steht, sondern zuerst der Zeitpunkt gesucht wird, an dem es noch für alle Beteiligten gut war, und andererseits wird mit den Systemgesetzen als Basis jeder Konfliktlösung und Kommunikation gearbeitet. 

In meinen beiden Büchern „Coachen und Führen mit System“, Kiel 2010 und „Persönlichkeitsentwicklung mit System“, Kiel 2014, wurden diese Gesetze bereits ausführlich vorgestellt, was ich hier in Auszügen wiederhole.

Die Systemgesetze als Basis der Mediation

Zu den beiden Kommunikationsebenen, Sach- und Beziehungsebene (vgl. V. Satir 1996), habe ich noch eine dritte hinzugefügt: die Systemgesetzebene.

Sie ist das Fundament. Diese Ebene entscheidet darüber, ob die Beziehungs- und Sachebenen funktionieren und stabil sein können. Ähnlich wie ein Haus, das ein solides Fundament benötigt, um darauf die Stockwerke setzen zu können.

Gleichzeitig ist es zur Bearbeitung von Konflikten sehr hilfreich, diese dritte Ebene zu nutzen, denn die meisten Menschen wollen sich in einem Konflikt nicht die Beziehungsebene anschauen. Einerseits haben die meisten davor Angst und andererseits ist es normalerweise gar nicht hilfreich, denn die Ursache liegt im Fundament.

Genauso wenig ist es sinnvoll, ein schadhaftes Dach zu reparieren, wenn nicht vorher die Ursache dafür aufgedeckt wurde. Denn die Ursache für Konflikte ist meiner Erfahrung nach zu 99 Prozent auf der Systemgesetzebene zu finden, also im Fundament.

Mediation – Die drei Konfliktlösungs- und Kommunikationsebenen

Die Pfeilrichtung von der Systemgesetzebene zur Sachebene bedeutet: Die dicken Pfeile von der Systemgesetzebene zur Beziehungs- und dann zur Sachebene auf der linken Seite in der Abbildung sollen die Wirkung verdeutlichen. Verletzungen auf der Systemgesetzebene wirken sich negativ auf die Beziehungsebene aus und erschweren die Zusammenarbeit auf der Sachebene. Unlösbare Konflikte zeigen sich dann auf der Sachebene, und die Positionen sind verhärtet. Dadurch können aber auch wieder Verletzungen oder negative Auswirkungen von der Sachebene zur Beziehungs- und Systemgesetzebene erfolgen, dargestellt durch die von oben nach unten verlaufenden dünnen Pfeile.

Pfeilrichtung von der positiven Absicht zur negativen Auswirkung: Auf der rechten Seite in der Abbildung finden Sie eine Erklärung dafür, wieso es  zu Systemgesetzverletzungen kommt, ohne dass dieses beabsichtigt war oder ist. Denn viele Menschen, seien es Ehepaare oder Geschäftspartner, fragen sich, warum sich ihre vorher gute Beziehung verschlechtert hat. Früher konnten sie ihre Konflikte noch selbst lösen, da stimmte die Beziehung noch.

Es ist sinnvoll, davon auszugehen, dass jeder Mensch in jedem Moment das Beste für sich tut, was ihm gerade möglich ist. Also hat er in seinem Handeln oder Verhalten, was sich oft  ̶  aber nicht nur  ̶  auf der Sachebene zeigt, eine positive Absicht für sich selbst.

Daneben gibt es auch noch die positive Absicht für das Gegenüber, d. h. das Beste für das Gegenüber zu wollen.

Wenn diese positiven Absichten, egal ob für sich selbst oder für den anderen, nicht ausgesprochen werden, so kommt es oft zu negativen Auswirkungen auf der Systemgesetzebene. Meistens ist dem Verursacher, demjenigen mit der positiven Absicht, diese Verletzung nicht bewusst.

Positive Absichten im Handeln können negative Auswirkungen haben und führen häufig zu verletzten Gefühlen auf der Systemgesetzebene.
Fazit: Klassische Mediation zur Konfliktlösung nur dann, wenn keine Systemgesetzverletzungen vorliegen

Klären Sie in einer Mediation zuerst, auf welcher Ebene der Konflikt liegt, auf der Sach-, Beziehungs- oder Systemgesetzebene. Liegt er auf der Sachebene, dann können Sie die klassische Mediation mit den fünf Phasen anwenden. Befindet er sich aber auf der Beziehungs- oder Systemgesetzebene, so sollten Sie die fünf Phasen nicht mehr anwenden, sondern das weiter unten beschriebene Vorgehen.

Systemische Mediation: Fundament wieder herstellen, damit eigenständig Konfliktlösungen gefunden werden können.

In der systemischen Mediation werden die Verletzungen auf der fundamentalen Systemgesetzebene aufgelöst, so dass die Konfliktparteien dann selber wieder fähig werden, ihre Sachthemen eigenständig oder mit Unterstützung durch einen Moderator zu klären. Und erst dann können externe Berater wie Steuerberater oder Anwälte sinnvoll genutzt werden, um auf der Sachebene eine optimale Lösung zu finden.

 

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