Eine Nachfolgedynamik in den Tod beschreibt eine Systemdynamik, in der eine Person bewusst oder unbewusst einer anderen Person in den Tod nachfolgen will. Hinweise auf so eine Nachfolgedynamik können folgende Signale sein: Todessehnsucht, Angst, „vererbte Krankheit“, hingezogen zu einer toten Person, Depression, Sucht, Selbstmord oder versuchter Selbstmord, Unfall u.a.

Vier Ursachen für eine Nachfolgedynamik in den Tod

Mir sind bislang vier Gründe bzw. Ursachen für Nachfolgedynamiken bekannt, die kurz im Überblick vorgestellt und die ersten beiden dann ausführlich erklärt werden:

Früher vor später (Systemgesetz 4): Ein Elternteil oder ein älteres Geschwisterkind stirbt und ein jüngeres Kind reagiert darauf (Hänsel-und Gretel-Effekt)

Zugehörigkeit bzw. Ausschluss (Systemgesetz 1): Wenn nur eine Person einer Gruppe von Menschen überlebt, so kann sie sich mit den anderen verbunden fühlen und ihnen in den Tod nachfolgen wollen

Verantwortung (Systemgesetz 5): Wenn ein älteres Geschwisterkind verantwortlich ist für den Tod eines jüngeren Geschwisterkindes, so können „Schuldgefühle“ und eine Nachfolgedynamik entstehen

Neues System vor altem System (Systemgesetz 7): Wenn ein älteres Kind vor den Eltern stirbt, so kann ein Elternteil dem Kind nachfolgen wollen

 

nachfolgedynamikFrüher vor später: 1. Nachfolgedynamik auf Geschwisterebene:

Ist ein Geschwisterkind K1 früher gestorben als das jüngere Kind K2, so kann es sein, dass das Kind K2 unbewusst aus Liebe für den Früheren K1 sterben will („Dann wärst du noch am Leben“). Hier wirkt das Systemgesetz 4: „Früher hat Vorrang vor später“ in umgekehrter Dynamik.

 

nachfolgedynamikFrüher vor später:  2. Nachfolgedynamik zur Eltern- oder Großelternebene:

Stirbt das erste Kind z. B. mit zehn Jahren, so kann es darauf hindeuten, dass es eine Nachfolgedynamik zu der Eltern- oder Großelternebene gibt. Ist ein Elternteil früh verstorben, d. h. das Kind war noch jünger als ca. 16 Jahre, so kann dieser Hänsel & Gretel-Effekt eintreten.

 

nachfolgedynamikOder ein älteres Geschwisterkind G1 eines Elternteils ist früh verstorben. Hier würde normalerweise, wie im Bild mit dem dünnen Pfeil beschrieben, der Vater darauf mit einer Nachfolgedynamik reagieren. Es gibt aber die Möglichkeit, dass diese Dynamik auf das erste Kind weitergegeben wird. Diesem folgt das Kind nach. Eine Fehlgeburt oder Abtreibung oder frühen Tod des ersten gezeugten Kindes kann auf eine Nachfolgedynamik in diesem Fall hindeuten.

 

nachfolgedynamikGenauso kann diese Dynamik auch zur Großelternebene gehen. Stirbt der Großvater oder die Großmutter oder ein älteres Geschwisterkind von den Großeltern und ist, wie im Bild mit den dünnen Pfeilen dargestellt, die Tochter der Großeltern davon betroffen, so kann es sein, dass sie diese Dynamik unbewusst weiter an ihr ältestes Kind gibt (was sich oft in Fehlgeburten zeigt). Die Mutter muss also keine Nachfolgedynamik und deren Signale tragen. Es kann auch eine Generation überspringen.

 

Aus meiner Erfahrung mit der Genea-Methode und dem Auflösen von Nachfolgedynamiken sind Sucht, Depression, versuchter Selbstmord, Unfall oder Krankheiten mögliche Hinweise auf eine Nachfolgedynamik.

Diese Nachfolgedynamiken in den Tod können sich beim Kind/Person in Depressionen, Sucht, versuchten Selbstmord, Krankheit oder Unfall zeigen. Bei Krankheit und Unfall deuten oft Zahlen darauf hin: Ist der Großvater im Krieg geblieben, als die Mutter zehn Jahre war und ihr Sohn stirbt dann mit zehn Jahren, spreche ich von einer Dynamik bzw. einem Signal. Oder die gleiche Krankheit tritt wie beim Vorfahren auf, oder die Angst vor dem Todesalter oder der Krankheit beim Vorfahren, so können dieses Hinweise auf eine Nachfolgedynamik sein.

Ist das zweite, dritte oder die späteren Kinder von der Nachfolgedynamik betroffen, so deutet es darauf hin, dass ein älteres Geschwisterkind gestorben ist oder ausgeschlossen wurde. Es deutet nicht auf die Eltern- oder Großelternebene hin. Der Hänsel & Gretel-Effekt tritt besonders dann ein, wenn die verstorbene Person totgeschwiegen, also ausgeschlossen wird. Dazu gehören Fehlgeburten genauso wie Abtreibungen.

Nachfolgedynamik auflösen

Dazu nutzen wir die Genea- und Empowering-Methode. In meinem Buch „Persönlichkeitsentwicklung mit System“ wird ausführlich die Genea- und Empowering-Methode vorgestellt. 

Genea-Methode bedeutet: Systemgesetzverletzungen bei den Ahnen auflösen, damit die Kräfte und Lebensenergien wieder voll und ganz fließen können.

Empowering-Methode bedeutet: Befähigung und Stärkung der eigenen Lebensgeschichte und das Leben im Hier und Jetzt mit den Kräften der Ahnen.

Die Genea-Methode löst Themen bei den früheren Generationen auf und die Empowering-Methode befähigt, stärkt und prägt das eigene erlebte Leben und das der Vorfahren neu. Durch die Stärkung der Vorfahren lassen sich viele selbsterzeugte oder selbsterlebte Systemgesetzverletzungen im Privat- wie im Berufsleben auflösen. Ebenfalls werden dadurch neue Fähigkeiten, Verhaltensweisen, Überzeugungen, der Lebenssinn oder die Vision zugänglich gemacht oder werden neu gelernt.

Konkretes Vorgehen: Zuerst werden die Kräfte der Ahnen hergestellt, d. h. dass innerlich alle Vorfahrenthemen geklärt sind und die Ahnen jeweils als Paar kraftvoll mit ++ nebeneinander stehen können. Dann lässt sich diese Dynamik dadurch überprüfen, wenn der verstorbene kraftvolle Frühere dem Kind sagt: „Ich gehöre zu den Toten und du sollst gut leben!“ Kommt dieser Satz beim Kind an? Und kann umgekehrt das Kind sagen: „Du gehörst zu den Toten und ich werde gut leben“? Wenn es diesen Satz nicht richtig sagen kann, so liegt normalerweise diese Dynamik vor.

Sind die Vorfahren alle ausgeglichen kraftvoll und stehen jeweils als Paare nebeneinander, so wollen die Vorfahren, dass es dem Kind gut geht, es frei ist und gut leben soll usw.

Also die Richtung von den Vorfahren zum Kind lässt sich mit den Kräften auflösen. Jetzt muss das Kind dieses noch annehmen. Dabei ist es hilfreich, wenn die Eltern und Großeltern dem Kind sagen, dass es besonders die Liebe oder Ehre ihnen gegenüber zeigen kann, wenn es nicht mehr an der Loyalität festhält, sondern glücklich und erfolgreich lebt. Ist dieses Vorgehen noch nicht ausreichend, so soll eine Respektsperson für das Kind auftauchen, oft ist es der Großvater oder die Großmutter, die dem Kind klar ihre Meinung sagen, notfalls sogar sauer werden, bis es beim Kind ankommt.

Dann kann das Kind sagen: „Du gehörst zu den Toten und ich werde gut leben! Du wirst immer einen Platz in meinem Herzen behalten!“ Falls Trauer vorhanden ist, so zeigt das Kind dem Verstorbenen seine Trauer. Falls Wut über den Tod aufkommt, so soll die Wut vom Verursacher und vom Verstorbenen genommen werden.

Zugehörigkeit: Nachfolgedynamik und „Schuldgefühle“ auflösen

nachfolgedynamikÄhnlich zu dem Hänsel & Gretel-Effekt (früher vor später) können sich bei einem Überlebenden eine Nachfolgedynamik und/oder Schuldgefühle einstellen, wenn er z. B. im Krieg der Einzige war, der den Untergang seines U-Bootes überlebt hat oder als Einziger flüchten konnte oder das Schiff versenkt wurde und er überlebt hat.

Im Bild ist der Kriegskamerad KK gestorben und der Großvater hat überlebt. Der Großvater trägt diese Dynamik bzw. Last der Schuldgefühle mit sich und dieses raubt ihm einen Teil seiner Lebensenergie. Oft wird diese Dynamik als Last an die Kinder und Enkelkinder weitergegeben, d. h. im Beispiel kann es sein, dass der Vater oder das Kind ebenfalls Schuldgefühle in sich tragen, ohne zu wissen, wo sie herkommen.

Das Auflösen dieser Schuldgefühle funktioniert ähnlich zu dem zuvor beschriebenen Vorgehen. Zuerst wird mit der Ahnenarbeit sichergestellt, dass der Großvater seine Eltern als Paar hinter sich hat und er ++ ist. Dann wird der Kriegsverursacher z. B. Hitler gesucht. Ist der Kriegsverursacher stark genug mit seinen Eltern hinter sich, so soll er das Leid beim toten Kriegskameraden mit dessen Eltern sehen und seine und deren Wut nehmen. Auch soll der Kriegsverursacher das Leid, Trauer, Angst und Schuldgefühle beim Großvater sehen und dessen Wut nehmen. Hier soll der Großvater seine Schuldgefühle in Wut an den Kriegsverursacher umwandeln – „Dass ich überhaupt solche Schuldgefühle habe, darüber bin ich wütend.“ Und der Kriegsverursacher nimmt seinen Anteil der Wut, für den er verantwortlich ist.

Ist nun der Kriegskamerad und der Großvater ++, so sollen sie noch gemeinsam traurig sein. Kann der Kriegskamerad danach zum Großvater sagen: „Ich gehöre zu den Toten und du sollst gut leben, mir zu Ehren“ und der Großvater kann es annehmen und selbst sagen: „Du gehörst zu den Toten und ich werde dir zu Ehren gut leben“, so ist diese Dynamik aufgelöst.

Danach geht man weiter mit der Ahnenarbeit und lässt jeweils die Last der Schuldgefühle vom Sohn und vom Enkel nehmen.

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