Meine Erfahrungen mit Paaren (Partnerschaften, Ehepaare, Ehe- und Geschäftspaare, Geschäftspaare) in der systemischen Paarmediation lassen sich in zwei Kategorien einteilen.

Die erste Kategorie besteht aus Paaren, die beim Kennenlernen ausgeglichen stark ++ genug sind und die durch alltäglich passierende Systemgesetzverletzungen, die sie nicht auflösen können, in eine abwärtsführende Eskalation geraten.

Zur zweiten Kategorie gehören die Paare, die beim Kennenlernen schon geschwächt +- oder -+ sind. Es finden sich oft Paare, bei denen der eine zu hart und der andere zu weich ist, was sich am Anfang als willkommener Ausgleich der Kräfte anfühlt.

Auf Dauer oder spätestens wenn ein Kind (bei Geschäftspartnern, wenn ein Mitarbeiter) dazukommt, funktioniert dieser Ausgleich nicht mehr richtig und es kommt dann spätestens zu Systemgesetzverletzungen. Wieso die Partner schon beim Kennenlernen nicht stark genug sind, kann an einen vergifteten Platz liegen (eine frühere Partnerschaft ist noch nicht von Systemgesetzverletzungen befreit) oder dass der Partner von seinen Vorfahren nicht genügend Power bekommt, weil bei den Vorfahren noch ungelöste Systemgesetzverletzungen vorliegen (Scheidung wird weitervererbt).

In der systemischen Paarmediation geht es darum, den Zeitpunkt zu finden, als es noch für beide Partner gut war und ob beide ausgeglichen stark genug zum damaligen Zeitpunkt sind.

Paarmediation – Vorgehen erste Kategorie: stark genug beim Kennenlernen ++, ++

Es ist beim Kennen- und Liebenlernen für beide noch gut. Erfahrungsgemäß gibt es in den ersten Wochen, wo noch die rosarote Brille herrscht, die ersten kleinen Systemgesetzverletzungen. Werden diese nicht aufgelöst, so schwelen sie weiter und führen zu kleinen Rückverletzungen. Bekommt dieses Paar nun ein oder mehrere Kinder, so wird dieses System auf die Probe gestellt. Über Jahre hinweg eskalieren die Systemgesetzverletzungen immer mehr. Der eine Partner zieht sich vielleicht zurück, stürzt sich in die Arbeit oder geht sogar fremd, der andere Partner wird aggressiv oder wird krank.

In der systemischen Mediation mit Paaren gehen die beiden vom positiven Gefühl und Zeitpunkt des Kennenlernens nun auf ihrer Zeitlinie Richtung Gegenwart bis zum Zeitpunkt der ersten kleinsten Verletzung. Wer zuerst verletzt wurde, ist normalerweise zu Beginn nicht klar, lässt sich aber so finden. Ist die erste Verletzung gefunden, so wird diese sprachlich richtig aufgelöst.

Immer wieder höre ich, wir waren schon öfters an diesem Punkt, ich habe mich auch schon zehnmal dafür entschuldigt, aber es hat sich nicht verbessert. (Entschuldigung funktioniert nicht, um Systemgesetzverletzungen aufzulösen) Wenn ich dann Nachfrage, mit welchen Worten sie es probiert haben, dann wird das Denkgefühl, Interpretationen, Vorwürfe, Entschuldigungen und Rechtfertigungen genannt. Jedes einzelne davon verhindert jedoch eine Auflösung von Systemgesetzverletzungen.

Wurde nun die erste Verletzung aufgelöst, so beschreiben beide Partner, wie es ohne die gefühlte erste Verletzung bei der nächsten Verletzung gewesen wäre. Meistens wäre sie dann nicht passiert. Aus diesem Standpunkt (wäre nicht passiert – wertschätzende Haltung) wird das Leid anerkannt und die Wut genommen. So werden alle weiteren Verletzungen bis zur Gegenwart aufgelöst. Danach kümmern wir uns erst um die Sachthemen.

Paarmediation – Vorgehen zweite Kategorie: nicht stark genug (zu hart +- / zu weich -+)

Zu dieser Kategorie gehören die meisten Paare in der systemischen Paarmediation.

Ist die Voraussetzung, dass beide Konfliktpartner beim Kennenlernen stark und ausgeglichen sind im Sinne der Kräfte ihrer Ahnen, nicht gegeben, so wird zuerst mit Hilfe der Genea- und Empowering-Methode die Kräfte der Ahnen (also die Schwert- und Herzseite) durch eine innere Aufstellungsarbeit aktiviert. Das geschieht entweder mit jedem Partner in der Einzelarbeit oder mit dem Paar gemeinsam (der Eine macht die innere Aufstellung, der andere hört zu). Dann geht jeder Partner mit der neuen Power durch sein Leben (Empowering) und löst evtl. noch vorhandene Systemgesetzverletzungen aus früheren Partnerschaften innerlich auf (Leid sehen, Wut nehmen, sich gegenseitig frei lassen und alles gutes Wünschen können).

Sind alle früheren Partnerschaften frei von Verletzungen, so lernen sich die beiden mit der ausgeglichenen Stärke neu kennen.

Wie ist es dann? Was verändert sich? Ist es gut?

Mit dieser neuen Power wird nun die erste Verletzung aufgelöst, die normalerweise nicht passiert wäre, wenn beide zum damaligen Zeitpunkt stark genug gewesen wären. Ab dann geht es wie in der ersten Kategorie weiter und alle folgenden Verletzungen werden aufgelöst.

Sind alle größeren Systemgesetzverletzungen in der Paarmediation aufgelöst, so kann es einerseits sein, dass das Paar wieder ein Liebespaar wird. Andererseits kann erst so eine wirklich gesunde Trennung stattfinden (Man darf erst dann gehen, wenn man nicht mehr gehen MUSS). Bei einem Paar mit Kindern unterscheide ich die Beziehungs- und Systemgesetzebene. Auf der Beziehungsebene ist das Liebespaar angesiedelt. Auf der Systemgesetzebene, die das Überleben eines Systems beschreibt, geht es darum, für die Kinder ein Elternpaar zu sein. Das reicht, um den gemeinsamen Kindern die notwendige Stärke (Herz und Schwert) zu geben, damit das Überleben gesichert ist und es gut weiter gehen kann. Wenn das Elternpaar noch zusätzlich ein Liebespaar ist, um so besser für das Kind.

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