Selbstcoaching Handwerkszeug: Versehentliche Aufstellung

Selbstcoaching heißt, sich selbst coachen zu können. Dieses wird im Coachingprozess gebraucht, da es immer wieder zu versehentlichen Aufstellungen und vergifteten Plätzen  kommen kann. Wird dieses nicht erkannt oder aufgelöst, wird es schwierig im Coaching.

Aus den Aufstellungsarbeiten weiß man, dass es zu versehentlichen Aufstellungen kommen kann. Ich stelle Ihnen zwei Varianten vor, es gibt jedoch noch weitere.

1. Angenommen Person A und B sind Freunde, die sich treffen. Wenn Person A von negativen Gedanken oder Systemgesetzverletzungen mit Leid und Wut an eine Person F aus seiner Familie, seinem Beruf oder Freundeskreis stark gefesselt ist und die Gedanken um diese Person F kreisen, so kann es sein, dass die anwesende Person B als Stellvertreter für diese Person F herhalten muss. Diese versehentliche Aufstellung geschieht unbewusst und kann dazu führen, dass die vorher gute Beziehung zwischen A und B an dem Treffen gestört wird, ohne dass es einen offensichUebung-versehentliche-Aufstellungtlichen Grund gibt.

Hier eine Übung für drei Personen A,B und C: A denkt an eine Person P, die ihn gedanklich stark berührt, mit der vielleicht noch etwas zu klären ist. A kann verdeckt arbeiten, d.h. A sagt B nicht, um welche Person es geht. B ist dann der Stellvertreter für P, d.h. A stellt B und dann sich selbst im Raum auf, so wie es spontan passt. Mit Unterstützung von C fragt A nun B: “Was ist mit dir?”, “Was fühlst du?”, “Wie geht es dir?”, “Möchtest du mir etwas sagen?”, “Bewege dich frei im Raum und finde eine Stelle, an der es dir sehr gut geht, du kannst aber auch stehen bleiben oder wieder herkommen.”  Dann stellt C A entsprechende Fragen. (Diese Übung zeigt, wie sich eine versehentliche Aufstellung anfühlt, obwohl es eine verdeckte Aufstellung ist, die absichtlich und nicht versehentlich hergestellt wird.

Selbstcoaching Handwerkszeug: vergifteter Platz

versehentliche-Aufstellung

2. Vergifteter Platz: Es gibt das Systemgesetz „Recht auf Zugehörigkeit (kein Ausschluss)“. Wird eine Person aus der Familie oder Organisation oder aus einem anderen System ausgeschlossen, so ist noch auf beiden Seiten viel Leid, Trauer, Wut oder Angst vorhanden. Gleichzeitig versucht das System, diese Verletzung aufzulösen, indem es die versehentliche Aufstellung als Signal benutzt: „Bitte schaue hin und löse diesen Ausschluss“.
Normalerweise tritt ein Kind oder jemand, der später in das System hineingekommen ist, auf diesen freien Platz. Wir reden hier von einem vergifteten Platz.
Auch hier kann eine versehentliche Aufstellung passieren, wenn sich wieder A und B treffen. Angenommen in A´s Familie wurde jemand ausgeschlossen, dann kann es sein, dass B auf diesen freien Platz tritt, ohne dass A an diese Person denkt. Auch sind beide über ihre nun in diesem Fall verschlechterte Beziehung ohne ersichtlichen Grund verwundert. Oder in einem Unternehmen wurde der Vorgänger unehrenhaft entlassen, so übernimmt oft der Nachfolger diesen vergifteten Platz und sitzt auf einen Schleudersitz.

Auflösen der versehentlichen Aufstellung: Wenn B sich räumlich von dem Freund trennt, beispielsweise in ein anderes Zimmer geht, so sollte A´s Gefühl nachlassen oder verschwinden. Ist das so, dann war es eine versehentliche Aufstellung.
Kommt B nun wieder zurück zum Freund, so nimmt normalerweise das unangenehme Gefühl wieder zu. Nun kann B probieren, den Freund darauf anzusprechen, ob er zur Zeit mit einer ihm wichtigen Person (entweder Familie, Freunde oder Beruf) noch Systemgesetzverletzungen hat (bei ihm ist noch Leid und Wut vorhanden). Wenn ja, so solle der Freund diese Verletzung mit der ihm wichtigen Person von B wegnehmen, so dass B wieder ganz B sein kann. Meistens löst sich so das unangenehme Gefühl auf.

Auflösen von vergifteten Plätzen: Ein vergifteter Platz aufzulösen, braucht Zeit und Energie der Beteiligten. Es gilt, die alten Verletzungen aufzulösen, so dass kein Leid, Wut oder Trauer auf beiden Seiten mehr vorliegt. Nicht immer gelingt das, denn alle Beteiligten müssen mitmachen. In Patchworkfamilien haben wir öfters diese Situtation, dass zum früheren Partner ein vergifteter Platz vorliegt.

Der Coach, die Führungskraft oder die Privatperson sollte solche Übertragungen, Projektionen oder Verwechselungen durch versehentliche Aufstellungen im Hinterkopf haben und gegebenenfalls im Selbstcoaching, in Supervisionen, Aufstellungen oder Coaching bearbeiten.

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