Integrale Unternehmensnachfolge in Familienunternehmen

Eine Unternehmensnachfolge in Familienunternehmen sollte schon bei der Gründung mit berücksichtigt werden. Denn am Anfang werden Weichen gestellt, die bei der Nachfolge zu Schwierigkeiten führen können. Beispielsweise die Frage, wie die finanzielle Absicherung nach dem Ausscheiden gesichert ist. Muss aus dem laufenden Geschäft heraus dafür aufgekommen werden oder ist eine vom Unternehmen unabhängiger Weg gewählt worden.

Weiter geht es darum. sehr frühzeitig für einen Nachfolger zu sorgen. Der Nachfolger muss zum Unternehmen passen – egal ob aus der eigenen Familie oder bei Übergabe an einen Externen.

Auch gilt es die Frage zu klären, was macht das Gründerpaar, wenn sie nicht mehr im Unternehmen sind? Welche negativen Auswirkungen kann das haben? Und was muss getan werden, damit die nicht eintreten. Beispielsweise was soll ich mit der freien Zeit tun? Langeweile? – Was kann sinnvolles nach dem Ausscheiden getan werden? Was gibt Sinn?

Typische Probleme und Themen in einer integralen Unternehmensnachfolge in Familienunternehmen

Themen, welche in unserem Spezialgebiet „Nachfolge in Familienunternehmen“ geklärt werden

In einer Unternehmensnachfolge, d.h. ein Inhaber will sein Unternehmen an ein Familienmitglied (Sohn/Tochter) weitergeben oder verkaufen, tauchen häufig Fragestellungen und Konflikte auf. Diese lassen sich grob in zwei Bereiche unterteilen. Der eine Bereich ist die Sachebene, der andere Bereich ist die Systemgesetzebene.

Typische Fragestellungen oder Probleme auf der Sachebene

  • Vererbung/Übertragung der Geschäftsanteile, von Sonderbetriebsvermögen, Eigentum
  • Frage der Rechtsform/Vertragsgestaltung
  • Steueroptimierung
  • Familiensystem verzahnt mit Unternehmenssystem und Eigentum
  • Gerechter Ausgleich unter den Familienmitgliedern gesucht
  • Rollenverteilung in der Unternehmensführung unklar
  • Übergabezeitpunkt nicht festgelegt
  • Fehlende Vorbereitung für den Notfall
  • Unsicherheit unter den Mitarbeitern
  • keine externe Altersversorgung

Typische Fragestellungen oder Probleme auf der Systemgesetzebene

Senior/Übergeber

    • Kann Verantwortung schwer loslassen
    • Systemgesetzverletzungen zwischen den Eltern (Senior und Seniorin) und dadurch auch zwischen den Eltern und dem Kind (Nachfolger)
    • Mangelnde Akzeptanz des Nachfolgers
    • Wunsch nach Erhalt der Strukturen
    • Keine ausreichende Vision/Strategie vorhanden
    • Sicherheitsbedürfnis
    • Verlustängste
    • Fühlt sich vom Nachfolger nicht genügend respektiert bzw. ausgeschlossen

    Nachfolger

    • Wunsch nach Autonomie
    • Respektiert das Frühere nicht ausreichend
    • Ausschluss des Seniors
    • Wunsch nach Veränderung
    • Zu hohe oder niedrige Risikobereitschaft
    • Mangelnde Verfügbarkeit oder Einsatz
    • Verpflichtung zur Nachfolge
    • Vision oder Lebensziel entsprechen nicht der Nachfolge
    • Fühlt sich vom Senior bzw. den Mitarbeitern nicht genügend respektiert bzw. ausgeschlossen
    • Keine ausreichende Vision/Strategie vorhanden
    Unternehmen
    • Keine ausreichende Vision/Strategie vorhanden
    • Konflikte im Betrieb
    • Konflikte schwelen schon lange
    • Viele indirekt Beteiligte
    Familie
    • Hohes Konfliktniveau durch ungelöste Familienkonflikte
    • Konflikte schwelen schon lange, Rivalität, Reihenfolge nicht eingehalten
    • Ungerechtigkeit, viele indirekt Beteiligte wie Verwandte, keine Familienverfassung
    Eigentum
    • Finanzierung ungeklärt
    • Unterschiedliche Unternehmensbewertung
    • Ungerechtigkeit
    • Altersabsicherung ungeklärt

    Die Systemgesetze als Fundament und Voraussetzung für eine gelingende Nachfolge

    Eine Unternehmensnachfolge in Familienunternehmen gelingt nur, wenn die Systemgesetze wie Zugehörigkeit, Anerkennung, Gleichgewicht/Gerechtigkeit, früher vor später und neues System vor altem System berücksichtigt werden. 

    Das Systemgesetz 4: Früher vor später hat Vorrang steht im scheinbaren Widerspruch zum Systemgesetz 7: Neues System vor altem System. Um für Klarheit zu sorgen, nehmen wir das Beispiel, dass ein Elternpaar junge Kinder hat, die noch nicht für sich selbst sorgen können. Gab es nun in früheren Zeiten eine Hungersnot, so wurde normalerweise das jüngste Kind geopfert (Hänsel und Gretel), damit der Rest überleben konnte. Hier galt also: Früher vor später hat Vorrang. Kommt es eine Generation später wieder zu einer Hungersnot und die früheren Eltern sind nun Großeltern, das Kind ist nun ein Elternteil und es gibt Enkelkinder, so wäre nach dem Systemgesetz 4 wieder das jüngste Enkelkind zu opfern. 

    Dieses ist systemisch jedoch nicht sinnvoll sondern es gilt dann Systemgesetz 7: Das neue System hat Vorrang, d.h. die Großeltern werden sich opfern (auf die Scholle zurückziehen), damit die Kinder und Enkelkinder überleben können. Sind die Eltern bzw. Großeltern ausgeglichen starke Paare und herrscht zwischen ihnen und den Kindern/Nachfolgern Vertrauen, Wertschätzung und werden die Systemgesetze beachtet, so werden sich die Früheren/Übergeber von sich aus zurückziehen. Die Früheren sagen also, dass das neue System/die Nachfolge Vorrang haben soll.

    Es gilt: Nur die Früheren dürfen und müssen sagen, dass das neue System Vorrang hat. Das geschieht nur, wenn die ersten sechs Systemgesetze eingehalten wurden/werden.

    Liegen Systemgesetzverletzungen zwischen den Groß- und/oder Elternpaaren vor, d.h. Scheidung, Rosenkrieg, Ausschluss, schlecht übereinander reden, Ungerechtigkeit, so gibt es als Folge zwischen den Groß- und Elternpaaren und den Kindern ebenfalls Systemgesetzverletzungen. Nun werden die Großeltern/Übergeber sich nicht freiwillig zurückziehen. Dadurch verletzen sie das Systemgesetz 7: Neues System vor altem. Die Nachfolger sehen sich dann gezwungen, die Übergeber aufzufordern, sich zurück zu ziehen. Diese Aufforderung verletzt die Übergeber, sie fühlen sich ausgeschlossen, nicht genügend respektiert, es ist ungerecht und das Frühere wird nicht anerkannt. Es kommt also zu weiteren Systemgesetzverletzungen, die beispielsweise dazu führen, dass der Übergeber den Nachfolger auf die Straße setzt. 

    Fazit: Systemgesetzverletzungen bei den Übergebern und zwischen Übergebern und Nachfolgern müssen aufgelöst werden, damit eine Nachfolge gelingen kann. Deshalb starten wir bei der Auflösung von Systemgesetzverletzungen auch bei den Übergebern.  

    Beispielhafte Fälle aus der integralen Unternehmensnachfolge in Familienunternehmen

    Ausschluss des Früheren

    Die meisten aller Familiennachfolgen scheitern, wenn das Familienunternehmen in die zweite Generation, die Enkelgeneration, übergeht. Oft wird der Junior durch ein BWL-Studium auf die Übernahme vorbereitet. Der alte Chef war noch einer, der mit anpacken konnte, selbst entwickelt hat, in den Werkshallen herumlief, die Mitarbeiter noch persönlich kannte.

    Der Junior macht alles anders. Ihm sind Zahlen oder neue Strukturen wie EDV, Kostenrechnung oder neue Umgangsformen wichtig. Auch hat er evtl. kein Gefühl für die Forschung und Entwicklung, zu den Produkten und keinen direkten Kontakt zu den Mitarbeitern.

    Die Mitarbeiter und der Senior fühlen sich und die alte Kultur nicht mehr gewürdigt und ausgeschlossen. Die Mitarbeiter sind dem Alten und dem Senior gegenüber loyal und wollen ihn behalten und den Junior hinaus mobben. Der Senior kann in so einer Situation nicht loslassen und muss für das Alte eintreten. Das führt unweigerlich zum Kampf zwischen Senior und Junior.

    Zu einer Lösung kann das Wissen und die Anwendung der Systemgesetze wie Anerkennung beitragen. Nutzen Sie es!

    Übernommene Firma unbewusst an die Wand fahren wollen

    Der Inhaber einer großen Holding mit drei Firmen A, B und C hat sie von seinem Vater übernommen. Der Vater war ein starker Motor und Entwickler für die größte der drei Firmen A. Er und seine Frau trennten sich aus diesem Grund, da ihm die Firma A wichtiger war. Dieses führte zu Systemgesetzverletzungen bei der Mutter, bei ihm und beim Sohn. Der Sohn wuchs dann bei seiner Mutter und seinem Stiefvater auf.

    Als er dann die Holding von seinem Vater übernahm, so kam es unbewusst als Reaktion auf den Ausschluss und die fehlende Anerkennung des Vaters zur Mutter und zum Sohn dazu, dass er das Unternehmen an die Wand fahren wollte. Bewusst wurde ihm dieses erst im Coaching. Die Lösung bestand für ihn darin, die Firma A zu verkaufen. Die Holding und die Firmen B und C behielt er. Und er gründete eine neue Firma, in der er seine eigene Vision verwirklichen konnte.

    Hochrutschen in den Generationen

    Ist ein Vorfahre, z.B. der Großvater im Krieg umgekommen und die Verletzungen wie Leid, Trauer, Angst und Wut wurden von den Zurückgebliebenen nicht aufgelöst oder noch schlimmer, der Großvater wird totgeschwiegen, so kommt es sehr oft vor, dass ein Sohn oder eine Tochter in die Rolle des Großvaters hineinrutscht, d.h. Verantwortung für die Großmutter und auch für die jüngeren Geschwister übernimmt. Diese Verschiebung in der Generation setzt sich fort, so dass das Enkelkind (das Kind des Hochgerutschten) auch hochrutscht und die Rolle des Großvater und noch stärker die Rolle des Hochgerutschten übernimmt.

    Dieses Hochrutschen hat starke negative Auswirkungen und zeigt sich auch in der Nachfolge. Der zukünftige Nachfolger ist noch nicht Geschäftsführer, verhält sich aber schon so seinem Vater gegenüber. Dieses führt zu Systemgesetzverletzungen. Die Ursache ist, dass der Sohn unbewusst aus der Rolle des Großvaters handelt.

    Voraussetzungen, damit eine Familiennachfolge gelingen kann

    • Langfristige Vorbereitung
    • Eine Vision ist vorhanden
    • Der/die Nachfolger werden freiwillig Nachfolger
    • Gegenseitiger Respekt und Vertrauen ist vorhanden
    • Die Systemgesetze werden eingehalten bzw. Systemgesetzverletzungen werden/sind aufgelöst
    • Die Beratung auf der Sachebene ist verzahnt mit der Beratung auf der Systemgesetzebene

    Typische Themen, die durch die integrale Unternehmensnachfolge Beratung (Berater und System Empowerer) geklärt werden:

    • Vererbung/Übertragung der Geschäftsanteile und Sonderbetriebsvermögen
    • Frage der Rechtsform/Vertragsgestaltung
    • Steueroptimierung
    • Familiensystem verzahnt mit Unternehmenssystem
    • Gerechter Ausgleich unter den Familienmitgliedern wird gesucht
    • Rollenverteilung in der Unternehmensführung wird geklärt
    • Übergabezeitpunkt wird festgelegt
    • Vorbereitung für den Notfall
    • Unsicherheit unter den Mitarbeitern wird abgebaut
    • Fehlende Anerkennung oder Ausschluss zwischen dem Senior und Junior werden aufgelöst
    • Die Vision des Unternehmens und die Vision des Nachfolgers sind vorhanden und passen zusammen
    • Familienkonflikte und Systemgesetzverletzungen sind vorhanden und werden aufgelöst
    Ich stelle nun ein typisches Vorgehen von mir in einer Unternehmensnachfolge in einem Familienunternehmen vor, bei dem zuerst Systemgesetzverletzungen aufgelöst werden müssen. So ein Prozess kann sich über ein bis zwei Jahre hinziehen. Je schneller die Systemgesetzverletzungen aufgelöst werden, umso besser. Jedoch muss dieses alles bei einem laufenden Betrieb nebenbei ablaufen, weshalb es häufig länger als gewünscht dauert und es deshalb auch Rückschläge geben kann.

    Typisches Vorgehen des System Empowerers in einer Unternehmensnachfolge in Familienunternehmen im Überblick:

    Eltern: Zuerst beginne ich mit den Eltern. Sind dort alle Voraussetzungen zum Auflösen von Systemgesetzverletzungen erfüllt (beispielsweise mit Hilfe der Genea- und Empowering-Methode) und sind die Verletzungen zwischen dem Elternpaar (Vater und Mutter) aufgelöst, geht es zu den Kindern/Nachfolgern. Eltern  ̶  Kinder/Nachfolger: Wenn zwischen den Kindern/Nachfolgern und zwischen den Kindern und den Eltern alle Systemgesetzverletzungen aufgelöst sind, wird die Sachebene wie steuerrechtliche, rechtliche und finanzielle Fragen mit Hilfe von weiteren Beratern, der Familie und dem CoachMediator geklärt. Eltern  ̶  Kinder/Nachfolger  ̶  weitere Berater: Wichtig ist hier ein integrales Vorgehen, denn beispielsweise kann ein Steuersparkonstrukt Systemgesetzverletzungen auslösen. Gleichzeitig wird das Unternehmen betrachtet. Die Systemgesetzverletzungen zwischen den Eltern und Kindern/Nachfolger werden sich auch als Systemgesetzverletzungen im Unternehmen niedergeschlagen haben. Eltern  ̶  Kinder/Nachfolger  ̶  Unternehmen: Diese gilt es dann ebenfalls im Unternehmen aufzulösen.

    Einzelarbeit mit den Eltern:

    1. Systemgesetzebene, Systemgesetze und wie Verletzungen aufgelöst werden können, vorstellen
    2. Systemogramm (Systemgesetze) ausarbeiten
    3. Zeit/Ursachen-Diagramm ausarbeiten
    4. Wenn nötig, Coaching zur Stärkung der Eltern undVerletzungen auflösen zwischen Vater und Mutter (beispielsweise mit Hilfe der Genea- und Empowering-Methode)

    Eltern und Kinder:

    1. Systemgesetzebene, Systemgesetze und wie Verletzungen aufgelöst werden können, vorstellen

    Kinder:

    1. Systemogramm (Systemgesetze) ausarbeiten
    2. Zeit/Ursachen-Diagramm ausarbeiten
    3. Weiteres Vorgehen klären (Konfliktpaare identifizieren)

    Paarweise oder mit Eltern:

    1. Systemgesetzverletzungen paarweise zwischen Eltern und Kindern sowie zwischen den Kindern auflösen.

    Eltern, Kinder und Berater (Steuern, Recht usw.):

    1. Unternehmensnachfolge planen – Sachebene
      einbeziehen, Rollenklärung, Aufgaben für den Senior
      außerhalb der Firma, …

    Eltern, Kinder und Mitarbeiter des Unternehmens:

    1. Konflikte klären im Unternehmen (s. dazu das
      Vorgehen bei einer Teamentwicklung, Teamvision,
      Teamrollen)

    Unsere integrale Unternehmensnachfolge Dienstleistung ist die Verbindung der Erfolgsfaktoren und Methoden der Steuer- & Rechtsberatung und des systemischen Coaching / Mediation zur gemeinsamen, effektiven und nachhaltigen Lösungsfindung.

    Das Hanseatische Institut für System Empowering arbeitet mit verschiedenen Anwalts- und Steuerberatungskanzleien als Kooperationspartner deutschlandweit zusammen, damit die Nachfolge in Familienunternehmen erfolgreich und harmonisch gelingt.

    Zum Auflösen von Systemgesetzverletzungen werden fünf Voraussetzungen gebraucht - der PowerCode

    Am Beispiel einer Unternehmensnachfolge eines Familienunternehmens wird das konkrete Vorgehen vorgestellt. Im ersten Schritt lösen der Senior/Vater und der Nachfolger/Sohn die Systemgesetzverletzungen Face to Face zwischen sich auf.

    Im zweiten Abschnitt wird dieses Vorgehen übertragen auf die innere Arbeit - falls der Senior nicht mitmacht / mitmachen kann, so hat der Sohn die Möglichkeit, die Verletzung aufzulösen.

    Im dritten Abschnitt wird das Vorgehen beschrieben, wenn der Vater im Krieg Systemgesetzverletzungen erlebt hat (Angst, Wut) und deshalb die Verletzung bei seinem Sohn nicht auflösen kann, wie der Vater diese emotionale Kriegsverletzung auflösen kann.

    Im vierten Abschnitt wird dieses Vorgehen übertragen auf den Sohn, falls der Vater nicht mitmacht / mitmachen kann.

    Es werden dafür fünf Voraussetzungen gebraucht:

    • Es war mal gut genug / neutral
    • Die verursachenden Personen sind bekannt
    • Beide sind stark / ausgeglichen kraftvoll genug
    • Sprachlich richtiges Vorgehen
    • Neue Brille 

    In unserem ersten Beispiel der Face to Face Auflösung werden Vater und Sohn aufgefordert, sich an den Zeitpunkt zu erinnern, wo es noch gut war. In dem hier vorgestellten vereinfachten Beispiel können beide den Zeitpunkt finden.

    Zu zweit (Face to Face) Systemgesetzverletzungen auflösen

    Der Senior/Vater und der Nachfolger/Sohn haben seit der Kindheit oder Jugendzeit Stress miteinander. Trotzdem soll der Sohn das Unternehmen übernehmen. Der Sohn litt darunter, dass der Vater das Unternehmen über die Familie gestellt hat.

    Die Konflikte und Gefühle sind immer mal wieder eskaliert. Dann haben sie auf der Sachebene Dinge geklärt und sich vorgenommen, respektvoll miteinander umzugehen. Die tieferliegenden Basisgefühle wie Trauer, Angst und Wut wurden jedoch aus Unwissenheit nicht aufgelöst, weshalb diese immer wieder hervortraten.

    Es geht darum, diese verletzten Basisgefühle aufzulösen.

    Der Verursacher der allerersten Systemgesetzverletzung ist der Vater, der dem Sohn sagt, dass das Unternehmen wichtiger sein muss als die Familie. Nur so könne er das Unternehmen übernehmen.

    Das hat den Sohn traurig gemacht, er hat sich schlecht gefühlt und gleichzeitig ärgerlich und wütend (Basisgefühle).

    Sind der Vater und der Sohn zum damaligen Zeitpunkt ausgeglichen kraftvoll genug, so kann zum sprachlich richtigen Auflösen gegangen werden.

    Oft führen Kriegserlebnisse, die Systemgesetzverletzungen sind, zu bleibenden Ängsten oder unterdrückte Ängste und Wut, weshalb der Vater nicht mehr ausgeglichen stark genug ist. Dieses zeigt sich darin, dass er zu hart ist, seine Gefühle unterdrückt. Im dritten Beispiel zeigen wir das Vorgehen, wie diese Systemgesetzverletzungen aufgelöst werden, damit der Vater wieder ausgeglichen kraftvoll genug wird.

    Das sprachlich richtige Vorgehen besteht darin, dass der Sohn aus dem Zustand, dass noch alles gut ist (also gedanklich an den Zeitpunkt denkt, wo noch alles gut ist / vor der ersten Verletzung) seinem Vater sagt, was der Vater getan hat (Unternehmen wichtiger als Familie) und dann sein verletztes Basisgefühl beschreibt / zeigt (traurig und schlecht gefühlt).

    Sind die Voraussetzungen bis hierher gegeben, so gibt es immer wieder die gleiche Reaktion vom Verursacher, nämlich er nicht wusste, dass seine Aussage solche Gefühle ausgelöst hat, dass er dass nicht wollte, nicht seine Absicht war und es ihm leid tut. Hier überprüfen wir, ob dass beim Sohn ankommt und sich sein Leid (traurig, schlechtes Gefühl) auflöst.

    Wenn ja, so übernimmt der Vater seinen Anteil der Verantwortung für den Ärger / die Wut, die beim Sohn entstanden ist.

    Damit die erste Systemgesetzverletzung komplett aufgelöst wird, ist es wichtig, dass die verursachende Person, hier der Vater noch sagt, wie er sich verhalten hätte, damit es nicht zu den verletzten Basisgefühlen kommt. Kann er sagen, dass das gemeinsame Wohlergehen am wichtigsten ist, so kann sich die alte Brille des Sohnes in eine neue Brille verwandeln.

    Kann der Vater kein anderes verhalten benennen, so liegt es oft daran, dass bei ihm selbst Verletzungen vorliegen, die ihn so geprägt haben. Beispielsweise Ängste aus dem Krieg, die ihn bestimmen als Basisgefühl, selbst wenn er weiß, dass das gemeinsame Wohlergehen besser wäre. Dann ist das heir die Stelle, wo erst die Verletzungen des Vaters aufgelöst werden müssen.

    Konnte die erste Systemgesetzverletzung komplett aufgelöst werden, indem der Vater das Leid beim Sohn sehen konnte, es ihm leid tat und er seinen Anteil Wut vom Sohn nehmen konnte und der Vater ein neues Verhalten beschreiben konnte und der Sohn das ihm glaubt, so wird von dort alle weiteren gegenseitigen Systemgesetzverletzungen aufgelöst.

    Normalerweise hätte es keine Rückverletzung vom Sohn zum Vater gegeben, wenn er nicht vorher verletzt wurde. Diese ist nun aufgelöst, so dass beide sich vorstellen können, dass es keine Rückverletzung gegeben hätte. Jetzt sieht der Sohn das Leid beim Vater, übernimmt seinen Anteil Verantwortung, d.h. Wut vom Vater, wovon der Vater seinen Anteil für die erste Verletzung übernimmt. So können alle Verletzungen bis zur Gegenwart aufgelöst werden, so dass die Unternehmensnachfolge erfolgreich ist und die Familie eine Familie bleibt.

    Der Nachfolger löst allein innerlich / gedanklich Systemgesetzverletzungen auf

    Wenn der Senior/Verursacher nicht mitmacht oder verstorben ist,
    so lassen sich trotzdem die Systemgesetzverletzungen auflösen,
    wenn die fünf Voraussetzungen gegeben sind. 

    Der Sohn macht innerlich / gedanklich genau das, was oben beschrieben ist. Die Erfahrung zeigt, dass diese Auflösung nur dann erfolgreich ist, wenn die fünf Voraussetzungen vorliegen. Es lässt sich nicht gedanklich mogeln.

    Der Nachfolger muss darauf achten, ob seine Gedanken bzw. die Auflösung der Verletzungen stimmig ist. Wenn es unstimmig ist, so sind nicht alle fünf Voraussetzungen gegeben. 

    Das Kriegskind löst das Leiden des Krieges bei sich innerlich auf

    Der Senior / Kriegskind löst allein innerlich / gedanklich Systemgesetzverletzungen auf

    Wenn der Senior (Verursacher) durch eigene Verletzungen nicht in der Lage ist, die Verletzung beim Nachfolger aufzulösen, dann
    kann der Senior innerlich seine frühere Verletzung auflösen. 

    Auch hier werden die fünf Voraussetzungen gebraucht. 

    Der Senior / Vater hat als Kind den Krieg erlebt. Beispielsweise hat er einen Bombenangriff überlebt oder ein Freund ist umgekommen, er hatte Angst zu verhungern oder musste flüchten, so sind bei ihm Ängste, Trauer und Wut entstanden, die er nicht abgearbeitet sondern gedeckelt hat. Außerdem ist daraus die Überzeugung entstanden, dass das Unternehmen wichtiger sein muss als die Familie.

    In dem Beispiel ist der Vater als Kind vor dem Krieg ausgeglichen kraftvoll. Dann werden die Kriegsverursacher bzw. Verantwortliche für den Krieg gesucht. Ob es Hitler ist oder Bismarck, der das Kaiserreich wieder eingeführt hat oder noch andere muss herausgefunden werden.

    Kriegsverursacher / Kriegsverantwortliche finden, die stark genug sind

    Für viele ist Hitler der Kriegsverursacher, der aber oft die Voraussetzung, dass er das Leid sehen und die Wut nehmen kann, nicht erfüllt. 

    Hilfreich ist hier das Wissen, dass Hitler im Ersten Weltkrieg an der Front gekämpft hat, selbst durch ein Granatsplitter am linken Oberschenkel verletzt wurde und zum Ende des Weltkrieges einen Giftgasangriff überlebt hat, woran er kurzzeitig erblindet war. Er weiß also aus eigener Erfahrung, was Leid bedeutet. Volker Ullrich schreibt in seinem Buch: Adolf Hitler. Biographie (2013), Bd. 1: Die Jahre des Aufstiegs 1889 – 1939 im Kapitel „Das Schlüsselerlebnis des Krieges“ (1914-1918) darüber. Hitler hat über seinen ersten Fronteinsatz ein Brief geschrieben, der dort auf Seite 69ff zitiert wird. Hitler: „...Links liegen einige Gehöfte die sind jetzt noch besetzt und wir bekom(m)en furchtbares Feuer. Einer nach dem Anderen bricht von uns zusam(m)en (...) 4mal dringen wir vor und müssen wieder zurück, von meinem ganzen Haufen bleibt nur einer übrig außer mir, endlich fällt auch der. Mir reißt ein Schuß den ganzen rechten Rockärmel herunter aber wie durch ein Wunder bleibe ich gesund und heil (...) 3 Tage kämpfen wir so bis endlich am 3ten die Engländer geworfen wurden. (...) In 4 Tagen war unser Regiment von 31/2 tausend Mann auf 600 zusam(m)engeschmolzen. ...“

    Konkret ist nun das Vorgehen, dass Hitler mit Hitlers Eltern hinter sich zum Ort der Leidentstehung geht und dort als jüngerer Mann (nicht Hitler 1945) das Leid direkt mit ansieht, was durch ihn als Kriegsverursacher entstanden ist. Ist es nun möglich, dass Hitler und seine Eltern das Leid sehen können, so kann er auch anteilig die Wut, die aus dem durch ihn entstandenen Leid resultiert, nehmen. 

    Hitler ist nicht der alleinige Verantwortliche für den Krieg. Deshalb ist es hilfreich, noch weitere Verantwortliche dazu zuholen, damit die Wut besser genommen werden kann. Beispielsweise sind Mitstreiter wie Goebbels, Himmler, Göring oder Generäle, Offiziere, Dorf- oder Stadtbewohner usw.

    Auch gilt für die Kriegsverursacher wie für jeden anderen auch, dass er aus positiver Absicht für sich gehandelt hat, aber es nicht die Absicht war (selbst wenn es in kauf genommen wurde), dass soviel Leid bei den eigenen Landleuten entsteht.

    Kriegsgegner / Alliierte als Verursacher

    Sind noch Alliierte beispielsweise für die Bombardierung von Hamburg oder Dresden mitverantwortlich, so führt man noch zwei weitere Schritte durch. Der erste Schritt ist oben beschrieben, d. h. der Kriegsverursacher sieht das Leid und nimmt die Wut vom Vater als Kind. 

    Der zweite Schritt ist, dass der Kriegsverursacher das Leid bei den Alliierten  sieht und deren Wut nimmt.

    Erst dann kann der dritte Schritt durchgeführt werden. Jetzt kann der Kriegsgegner / der Alliierte Bomberpilot das Leid beim Vater als Kind sehen und den Teil der Wut nehmen, wofür er verantwortlich ist. Auch gibt der Kriegsgegner einen Teil der Wut wieder weiter zum Kriegsverursacher.

    Sind die passenden ausgeglichen kraftvollen Verursacher gefunden, die das Leid, die Angst, die Trauer sehen können und kommt es beim Vater als Kind an, so lösen sich diese Gefühle auf. Nehmen die Verursacher jeweils anteilig die Wut von ihm, so löst sich diese Wut ebenfalls auf und der Vater wird dadurch wieder stärker. Gleichzeitig kann er dadurch seine Überzeugung "Unternehmen ist wichtiger als Familie" umwandeln in "Gemeinsame Wohlergehen ist wichtig".

    Der Kriegsenkel löst das Leiden des Kriegskindes innerlich auf und dadurch auch bei sich selbst

    Der Sohn / Kriegsenkel löst allein innerlich / gedanklich Systemgesetzverletzungen seines Vaters und danach bei seiner Mutter und sich auf

    Wenn der Senior (Verursacher) durch eigene Verletzungen nicht in der Lage ist, die Verletzung beim Nachfolger aufzulösen, dann
    kann der Sohn innerlich die frühere Verletzung beim Vater auflösen. 

    Auch hier werden die fünf Voraussetzungen gebraucht. 

    Das Vorgehen ist wie oben beschrieben. 

    Wichtig ist, dass der Sohn nicht in die Schuhe des Vaters steigt und dadurch die ganzen Gefühle des Vaters spürt. Am besten schaut der Sohn von außen auf die Kriegsverursacher und seinen Vater und sieht / spürt, wie die Verletzungen aufgelöst werden.

    Kann die Verletzung beim Vater als Kind aufgelöst werden, so wird im nächsten Schritt die Verletzungen zwischen dem Vater und der Mutter (Ehepaar) aufgelöst, da normalerweise die ungelösten Verletzungen sich negativ auf das Paar ausgewirkt haben. Die Frau wird auch darunter gelitten haben, dass das Unternehmen wichtiger als die Familie ist.

    Der Vater, dem es wieder gut geht und die neue Überzeugung hat, sieht nun das Leid bei seiner Frau, was durch ihn entstanden ist und übernimmt anteilig die Wut von ihr. Von dieser Wut übernehmen die Kriegsverursacher ihren Anteil. So lassen sich die Systemgesetzverletzungen zwischen dem Paar von dort bis zur Gegenwart auflösen.

    Geht es dem Elternpaar nun gut und sie haben genügend Power, so folgt nun der Schritt, dass sie als Paar die Verletzungen beim Sohn auflösen.

    Der Vater und die Mutter sehen das Leid beim Sohn und übernehmen als Paar anteilig Wut vom Sohn, wovon die Kriegsverursacher wieder ihren Anteil übernehmen.

    Dann hätte der Vater das gemeinsame Wohlergehen vorgelebt und es wäre nicht zur ersten Verletzung zwischen Vater und Sohn gekommen. Dadurch lässt sich die erste und alle folgenden Systemgesetzverletzungen auflösen.

    Der Kriegsurenkel löst das Leiden der Kriegseltern und des Kriegskindes innerlich auf und dadurch auch bei sich selbst

    Sind die Eltern vom Senior / Vater durch den ersten oder zweiten Weltkrieg selbst verletzt und der Sohn bekommt von seinen Eltern nicht genügend Power, so ist er nicht stark genug und die Verletzungen als Kriegskind lassen sich nicht auflösen.

    Hier beginnt man mit den Kriegseltern und löst dort mit den Kriegverursachern deren Verletzungen auf. Dann lösen die Kriegseltern die Verletzungen zum Sohn auf. Ist er nun stark genug, ist das Vorgehen wie vorher beschrieben. Die Kriegsverursacher lösen seine Verletzung auf, er dann bei seiner Frau und danach beim Sohn.

    Mit diesem Vorgehen lassen sich auch Systemgesetzverletzungen auflösen, die nicht durch den Krieg entstanden sind. Typische erste Verletzungsursachen bei den Vorfahren sind:

    • Zwangsheirat
    • Ungewollt ein Kind gezeugt (nicht aufgeklärt)
    • Das Kind ist eine Tochter und sollte ein Sohn sein
    • Zu viele Kinder
    • ...

    Hinweis für Paare

    Paare, sei es Ehepaare oder Geschäftspaare finden sich, weil sich plus und minus anzieht. Normalerweise hat die eine Person mehr Herz und zu wenig Schwertseite und die andere Person kann dafür Schwert geben und braucht dafür die Herzseite vom anderen. 

     

    Beide fühlen sich am Anfang gut damit. Im Laufe der Zeit, spätestens wenn ein Kind beim Ehepaar oder ein Mitarbeiter beim Geschäftspaar dazu kommt, treten Konflikte auf, denn das Herz wird dann an eine weitere Person verteilt, was eine Systemgesetzverletzung für die Person mit dem Mangel an Herz darstellt.

    Wenn sich jetzt einer der Personen auf den Weg macht, das Leiden seiner Vorfahren aufzulösen und dadurch selbst volle Power bekommt, dann passen die Partner nicht mehr optimal zusammen. Bekommt die Person, die vorher ihre Herzseite abgedeckelt hatte, nun mehr Zugang zu seinen Gefühlen, so braucht sie das Herz vom anderen nicht mehr als Ausgleich für ihren vorherigen Mangel. Ihr Schwert will sie dann auch nicht mehr wirklich geben, sondern erwartet als Ausgleich, dass die andere Person dafür sorgt, dass sie selbst den Mangel an Schwert auflöst und genügend Power bekommt.

    Deshalb ist es wichtig, dass sich die andere Person mitentwickelt.

    Entwickeln sich beide weiter, dann gibt es das optimale Paar, denn beide haben genügend Power (Herz und Schwert) und brauchen es nicht mehr zu nehmen und zu geben. Nun ist das Paar frei und kann ihre gemeinsame Power weitergeben.

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