Um einen vergifteten Auftrag erkennen und vermeiden zu können, zunächst eine Definition. Ein vergifteter Auftrag liegt dann vor, wenn eine Person eine Aufgabe oder Verantwortung für etwas übernimmt, wofür im Organigramm bzw. offiziell jemand anderes verantwortlich ist. Das setzt voraus, dass jemand seine Verantwortung nicht genügend übernimmt. Es liegt also eine Systemgesetzverletzung vor.

Vergifteter Auftrag vom Chef

Ein Buchhaltungsleiter oder IT-Leiter bekommt einen geheimen Auftrag vom Chef. Das EDV-System muss dafür an den Wurzeln umgangen werden, und kein anderer darf davon erfahren. Dieses kann zum Ausschluss von anderen und dem neuen Mitarbeiter führen, die auch auf das System Zugriff hätten, da der Zugriff unterbunden werden muss.

Vergifteter Auftrag an Berater oder neue Mitarbeiter

Wird ein Berater oder auch ein neuer Mitarbeiter in ein Unternehmen geholt, damit ein Chef seine Verantwortung abgeben kann, so liegt auch ein vergifteter Auftrag vor.

Unternehmensberatung/Ausschluss Mitarbeiter/ Selbstausschluss Chef:

Beziehen Unternehmensberater die Mitarbeiter nicht in die Lösungsfindung mit ein, sondern verstehen sich als Experten, die die beste Lösung kennen, so kommt es dadurch zum Ausschluss der Mitarbeiter. Oft werden die Berater in die Unternehmen geholt, weil der Chef seine Verantwortung an sie abgeben will. Danach ist der Chef nie wieder richtig Chef, denn er hat sich selbst von seiner Verantwortung und seiner Führungsrolle ausgeschlossen. In beiden Beispielen können die vergifteten Aufträge beim Kennenlernen dazu führen, dass es noch nie gut/neutral war.

Vergifteten Auftrag erkennen und vermeiden – Systemgesetzverletzungen auflösen und das AVK -Dreieck berücksichtigen

Vergiftete Aufträge werden dann vergeben, wenn Systemgesetzverletzungen vorliegen oder die Aufgabe/Verantwortung nicht übernommen werden kann, weil die Ressourcen/Kompetenzen dazu ungenügend vorhanden sind. Zu Aufgaben mit einer Verantwortung gehören Kompetenzen/Ressourcen, damit überhaupt die Aufgabe ausgeführt werden kann. Dieser Zusammenhang lässt sich anschaulich als Dreieck darstellen.

Handwerkszeug: Das AVK – Dreieck (Aufgaben, Verantwortung, Kompetenzen/Ressourcen)

vergifteten Auftrag erkennen und vermeiden 


Eine Aufgabe mit der dazugehörigen Verantwortung lässt sich nur dann erfolgreich durchführen, wenn die entsprechenden Kompetenzen vorhanden sind!

Andernfalls sind die Schuhe zu groß für die Aufgabe und die Verantwortung. Deshalb ist es wichtig, sich mit den folgenden Fragen auseinanderzusetzen.

Kompetenzen/Ressourcen:

Kompetenzen/Ressourcen lassen sich in zwei Bereiche aufspalten. Der eine Bereich sind die vom Mitarbeiter mitgebrachten oder noch zu fördernden Kompetenzen/Ressourcen und der andere Bereich sind die zu übertragenen Kompetenzen/Ressourcen vom Unternehmen oder der Führungskraft.

Mitgebrachte oder zu fördernde Kompetenzen/Ressourcen:

  • Ressource: Wissen 
  • Fachwissen vorhanden?
  • Systemgesetze bekannt?
  • Kultur, Struktur, Vision bekannt?
  • Abläufe, Prozesse, Informationswege bekannt? (intern, Kunde, Länder)
  • Konsequenzen bekannt?
  • Aufgabe, Ziel, Verantwortung klar?
  • Insiderwissen über Kunden?
  • Kompetenzen/Ressourcen: Fähigkeiten
  • Sprache, körperlich, Zeit?
  • Bereitschaft, zu reisen?
  • Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen?
  • Soziale Kompetenz (z.B. Feedbackgespräch)?
  • Führungskreislauf bekannt?
  • Führungsfähigkeit (innere Haltung und Stärke) genügend vorhanden?

Übertragene Kompetenzen/Ressourcen:

  • Was darf ich?
  • Was darf ich nicht? Wo sind die Grenzen?
  • Welche Rechte habe ich?
  • Was muss sichergestellt werden, damit ich gut arbeiten kann? (z.B. Zeit,
    Bezahlung, Anerkennung, klare Definition, AVK-Dreieck, Wissen)

Systemische Mediation: Vorgehen für Situationen, in denen ein vergifteter Auftrag vorliegt (die Frage gilt für beide Konfliktpartner):

1. Gibt es ein Organigramm? Sind die AVK‘s für jeden geklärt? Liegen Verantwortungsverschiebungen vor? Trägt jeder seine Verantwortung? Hat jeder alle Kompetenzen/Ressourcen? Gibt es Geheimnisse? Gibt es inoffizielle Verantwortliche?

2. Wenn Sie jetzt erkennen, dass ein vergifteter Auftrag vorlag, wie verändert sich Ihr Kennenlernen?

3. Inwieweit hat dieser vergiftete Auftrag Ihr Kennenlernen bestimmt? 

4. Wenn Sie diese Voreingenommenheit herausnehmen, was verändert sich dann? 

Wie wäre dann Ihr erstes Kennenlernen gewesen? Was verändert sich? Könnte es dann gut gewesen sein?

Einen vergiften Auftrag erkennen und vermeiden hat als Grundvoraussetzung, dass Systemgesetzverletzungen erkannt und aufgelöst werden. Ist der Chef ausgeglichen kraftvoll genug und übernimmt Verantwortung und sorgt auch dafür, dass er alle nötigen Kompetenzen / Ressourcen hat, so kommt es zu keinem vergifteten Auftrag.

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