Wie treffen wir eigentlich Entscheidungen? Gibt es „richtige“ oder „falsche“ Entscheidungen?

Wir treffen täglich kleine oder große Entscheidungen. Dabei gibt es verschiedene Erfahrungen. Kennst Du das auch?  

  • Du hast ein Ziel und steuerst euphorisch darauf zu; dennoch geht Dir nach einer Weile die Puste aus und die Zielerreichung rückt wieder in die Ferne. 
  • Oder Du wägst lange ab, kreist im Kopfkino und bleibst unsicher, ob Du den einen oder den anderen Weg gehen sollst. 
  • Und dann gibt es natürlich auch noch Entscheidungen, die man später bereut. Das Kleid, das man im Laden noch „ganz schön“ fand, hängt im Kleiderschrank und wird nie getragen. Gravierender zeigt es sich z.B. in Beziehungen, wenn wir im Nachhinein sagen: Hätte ich doch auf mein Bauchgefühl gehört, dann wäre mir viel Zeit und Leid erspart geblieben.
  • Aber zum Glück gibt es auch das: Du hast eine Idee, die sich so stimmig anfühlt, dass Du kaum überlegst, Du bist im Flow und handelst ohne innere und äußere Widerstände. Ein Zustand, den wir uns alle wünschen.

Ziele und Entscheidungen sind höchst individuell, somit gibt es für uns kein „richtig“ oder „falsch“. Wir müssen individuell unsere Systeme darauf hin überprüfen, ob die Veränderung, die wir anstreben, zu uns passt oder ob es zu große negative Auswirkungen gibt.

Annika und Felix stellen im Podcast dar, wie wir uns bei der Entscheidungsfindung typischerweise verhalten und welche Schritte es gibt, um eine Veränderung zu erreichen, die uns nachhaltig zufrieden macht.

Wie kann es sein, dass auf dem Weg zu einem positiven Ziel trotzdem viel schief gehen kann ? 

Unsere Erfahrung ist: Ein Ziel kann sachlich positiv bewertet werden und sinnvoll sein, dennoch geht die Zielerreichung mit einer Veränderung einher.

Die Praxis zeigt, dass eine Veränderung oder Zielerreichung immer auch Risiken, Nachteile oder negative Konsequenzen hat. Wenn diese negativen Auswirkungen nicht berücksichtigt werden, zeigt sich das durch Stress, Konflikte, Energieverlust oder Ereignisse, die wie Bremsen wirken: Die typischen Stolpersteine.

Deshalb ist es für uns im Coaching und im Changemanagement wichtig, die Klienten darin zu unterstützen, die möglichen negativen Auswirkungen aufzudecken.

Immer im Blick: Welche negativen Auswirkungen, Nachteile oder Risiken können eintreten, wenn das Ziel erreicht ist?

Oft wird diese Frage nicht gestellt, da wir unbewusst Angst haben, dadurch die Energie für das Ziel und die Hin – zu – Motivation zu verlieren. 

Die Nachteile können die Vorteile überwiegen. Wenn der Preis, den wir zahlen also größer ist, als die Vorteile, kann es sinnvoll sein vom Ziel Abstand zu nehmen.

Die übliche Preisfrage und der Preis der Preisfrage

Sind die Nachteile aufgedeckt, so wird üblicherweise die Preisfrage gestellt. Ist das Ziel und dessen Vorteile wichtiger? Dann muss man mit den Nachteilen und Risiken leben, die sich einstellen werden.

Überwiegen die Nachteile und Risiken, so dass das Ziel verworfen wird, müssen wir auf die Vorteile des Zieles verzichten wir hängen weiterhin in den Nachteilen der Gegenwart fest.

Egal, wie die Preisfrage beantwortet wird: Wir müssen immer einen Preis bezahlen werden, der unangenehm ist. 

SystemCheck

Die vier Schritte zur stimmigen Entscheidung: 

Der SystemCheck

Wir stellen Dir nun die vier Schritte vor, mit denen Du die negativen Auswirkungen eines Ziels so integrierst, so dass Du den Preis der Preisfrage nicht mehr zahlst.

Unsere Erfahrung zeigt, dass der gegenwärtige Zustand immer etwas sicher stellt und es nicht nur Nachteile gibt, sondern auch auch Vorteile. 

Daher schauen wir uns zuerst an, was der gegenwärtige Zustand sicher stellt, was also das Gute am Jetzt ist. Im zweiten Schritt stellen wir sicher, wie diese Vorteile in der Zukunft erhalten bleiben können.

1. Was ist das Gute am Jetzt? Welche Vorteile gibt es in der Gegenwart?

2. Was muss getan, gelernt, verändert werden, damit die Vorteile aus der Gegenwart erhalten bleiben?

Sind die ersten beiden Fragen geklärt, geht es zu den Punkten 3 und 4:

3. Was sind negative Konsequenzen, Risiken oder Nachteile der Zielerreichung?

Auf welche Personen hat das Ziel eine Auswirkung? Was verändert sich im Leben? Was sagen Eltern, Freunde, Kinder oder der Partner dazu? Welchen Einfluss hat der Zustand der Zielerreichung oder der Weg dort hin auf Deine Ressourcen wie Zeit, Gesundheit, Belastung, Finanzen, Tagesstruktur?

Mach dein System so groß wie möglich und betrachte die Zielerreichung in allen Kontexten deines Lebens. 

Sind die negativen Konsequenzen aufgedeckt, kommt es zum entscheidenden vierten Schritt:

4. Was muss getan, gelernt, verändert werden, damit die negativen Konsequenzen, die Nachteile oder die Risiken nicht eintreten?

Die Erfahrung zeigt, dass es immer Antworten für die letzte Frage gibt. 

Nimm Dir Zeit und Raum, damit die wirklich wichtigen hilfreichen Informationen auftauchen. 

Die ersten Impulse sind oft noch oberflächlich; je mehr Zeit Du Dir nimmst,  desto wertvoller werden die Antworten. 

Anschliessend geht es ans Handeln. Hilfreich ist ein konkreter Aktionsplan, damit die Aufgaben, die sich gezeigt haben, wirklich angegangen werden. 

Wenn die Antworten und die damit verbundenen Schritte umgesetzt werden, stellt sich die typische Preisfrage nicht mehr.  Das Ziel kann umso besser erreicht werden. Einige Antworten können darauf hin weisen, dass erst einmal „Unterziele“ anstehen, das ursprüngliche Ziel etwas angepasst wird oder der Weg zum Ziel sich verändert.

Ein Beispiel zum Ziel Gesundheit

ökocheck gesundheit

Mit dem System Check werden die Systemgesetze beachtet

Wichtige Folge der vier Fragen beim System Check ist, dass die Systemgesetze wie Zugehörigkeit, Anerkennung, Wertschätzung, Früher vor später und andere eingehalten werden. Veränderungen scheitern häufig daran, dass sich die Früheren nicht anerkannt und mitgenommen fühlen und ihre Erfahrung beim Changeprozess nicht genutzt wird. Werden Risiken oder Bedenken formuliert, wird dies oft als Nörgelei betrachtet, weil es die Vision des angestrebten Ziels in Frage stellt.

Ein Ziel kann aber nur dann von allen im System mit getragen werden, wenn alle beteiligt werden, jede Emotion und auch Einwände erlaubt sind. 

Die Kraft des Visionärs wird gebraucht, um Veränderungen anzustossen und die nötige Energie dafür bereit zu stellen. Langfristig werden Kritiker und Realisten aber ebenso gebraucht, um frühzeitig Risiken und Bremsen aufzudecken und sinnvolle Gegenmassnahmen zu ergreifen. Ers durch diese Integration können sich die Vorteile des Ziels mit voller Kraft entfalten.

Durch die vorgestellten Fragen sind alle im Boot und können ihre Erfahrung und Expertise einbringen. So kann das Gefühl von Zugehörigkeit bleiben und Anerkennung ankommen. Nur auf dieser Basis können sich Familien, Unternehmen und Teams gemeinsam weiter entwicklen, ohne dass es zu Konflikten, Kündigungen oder Burn Out kommt.

Fazit

Es lohnt sich also, die Fragen des System Checks auszuprobieren und zu nutzen. Dies kann schon bei kleinen Veränderungen helfen, z.B. wenn Du ein wichtiges Gespräch vorbereitest. 

Es kostet zwar erst einmal etwas Zeit, um sich mit den Fragen zu beschäftigen, doch die positive Wirkung dadurch, dass Du Dich in der Zukunft nicht mehr mit den negativen Bremsen auseinandersetzen musst, ist enorm.

Wir wünschen Dir viel Erfolg mit dem System Check und freuen uns auf Dein Feedback.

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